Der Coutdown läuft, am Freitag ist Kick Off Meeting (so würde man die Veranstaltung in der freien Wirtschaft benennen), um 9:00 Uhr am Lehrerseminar Oldenburg. Da kamen zwei Ausgaben der Zeitschrift PÄDAGOGIK genau zum richtigen Zeitpunkt.
( Übrigens, die stehende Person auf der Titelseite Arbeitsfreude strahlt solche aber nicht gerade aus oder entdecke ich da Sarkasmus?)
Die beiden Hefte und insbesondere das Themenheft, Praktikanten, Referendare und Mentoren ist sehr lesenswert und lässt mich darüber reflektieren, was ich denn eigentlich im Referendariat so erwarte.
Eine Aussage lief mir dabei immer wieder über den Weg:
Idealerweise sollten sie (die Mentoren) sich in ihrem eigenen Handeln als Vorbild präsentieren, zumindest aber müssen sie bereit sein, das eigene berufliche Handeln einer Fremdbeurteilung auszusetzen – was zumindest Lehrern schwer fällt, die gewohnt sind, als Einzelkämpfer zu fungieren und im Unterricht lediglich minderjährigen (oder gerade einmal formell erwachsenen)…
Das ist mit Abstand mein größter Wunsch, Arbeiten im echten Team, mit viel Feedback und gegenseitiger Unterstützung, nicht nach dem Motto: “Teamarbeit – schön, einer macht’s” oder ok, lass uns mal ein paar Arbeitsblätter austauschen, gib Du mir eins, dann gebe ich dir auch eins. Nee, ich möchte im Team wachsen, ich möchte erkennen, wie sich alles weiter entwickelt, natürlich zum Guten hin.
Meine Fragen für’s Referendariat:
- In der Regel hat ein Lehrer ca. 22 Unterrichtsstunden, á 45 min, die er in der Schule verbringt. Gehe ich von einer Wochenstundenzahl von 42 Stunden aus, frage ich mich, wie es möglich ist in den verbleibenden 20 Stunden Vor- und Nachbereitung zu betreiben? Individuelle Planung, jedem Schüler gerecht, Konferenzen eingeschlossen…
- Wie entwickle ich eine Professionalität?
- Wie gehe ich mit störenden Schülern um?
- Wie kann ich motivieren und wie gehe ich mit unmotivierten Schülern um?
Ich glaube das sind meine dringendsten Fragen, alles andere wird sich schon irgendwie ergeben, bin ja auch nicht mehr 25…
Why do I blog this?: Christian Spannagel macht es als Hochschuldozent vor, bloggen über den Praxiseinstieg. Ich wünsche mir 80% Unterstützung von Seiten der Schule, bzw. des Seminars und 20% über meine Netzwerke. Ein Anfang ist gemacht…









26/10/2009 at 22:22 Permalink
Eine gute Teamarbeit ist nicht nur Wunschdenken. Sie funktioniert; bei mir mit Mentoren, anderen Kollegen und Referendaren. Als Einzelkämpfer wird’s einfach zuviel Arbeit und Stress, muss ja nicht sein, wenn’s auch anders und besser geht. Netzwerke, egal ob online oder offline, sind jedenfalls was Feines.
Zu Deinen Fragen:
1. Ich hatte auch mal schnell eine 70-Stunden-Woche, wenn ich nicht aufgepasst und rabiat einen Schlussstrich gezogen habe. Bei uns gibt’s bekanntlich keine Stechuhr, den Feierabend machst Du selbst.
2. ähmm… üben.
3. Darin versuche ich mich gerade verstärkt. Hauptsache, klar und konsequent sein, dafür aber nicht nachtragend.
4. Leider lässt sich nicht jeder motivieren. Aber man lässt trotzdem nicht locker und versucht es immer wieder. Vielleicht machen die Schüler selbst Angebote, die berücksichtigt werden können.
Ansonsten: Viel Erfolg!
26/10/2009 at 22:45 Permalink
Ich versuche mal einige Antworten (die aber als Versuche zu verstehen sind – meine Erfahrung umfasst bisher drei Berufsjahre nach dem Ref).
@1 – In Baden-Württemberg am Gymnasium sind es 25 Wochenstunden und offizielle Beamtenstundenzahl 41 pro Woche. Es bleiben aber keine 22,25 Stunden übrig, denn Du bist ja deutlich länger in der Schule als Deine reine Unterrichtszeit. Meine Erfahrung ist, dass die Arbeitszeit während der Schulzeit deutlich über den 41 Stunden pro Woche liegt, was dann durch deutlich weniger Arbeit (meist aber NICHT keine Arbeit) in den Ferien ausgeglichen wird. Nach meiner Erfahrung ist Lehrersein ein Stoßzeitenberuf.
Entsprechend kann eine Woche mit zwei Konferenzen (d.h. z.B. 5 Zeitstunden zusätzlicher Präsenzzeit in der Schule) die Vor- und Nachbereitung extrem schwierig machen. Je nach Fach können auch Korrekturen einen erheblichen Zeitaufwand bedeuten, so dass die Zeiteinteilung von Woche zu Woche unterschiedlich ausfallen kann.
@2 – Nach meinem Eindruck vor allem durch das Entwickeln und Wachhalten von Selbstreflexion, durch Gespräche und (falls möglich) Hospitation mit/durch befreundete Kollegen (die aber so gut befreundet sein sollten, dass sie klar die negativen Aspekte nennen) und durch informelle Weiterbildung im Netz.
@3 – Das ist ein weites Feld. Das lass ich hier mal aus.
@4 – Motivierend ist meiner Erfahrung nach die Begeisterung für das eigene Fach und den Umgang mit jungen Menschen. Gleichzeitig gestehe ich jedem Schüler zu, mein Fach langweilig zu finden, ohne mich persönlich angegriffen zu fühlen.
Ich stelle klare Anforderungen und bemühe mich um guten und interessanten Unterricht – wer sich nicht motivieren kann/will, dieses Angebot anzunehmen, trägt die ebenfalls vorher transparent gemachten Konsequenzen (z.B. in Form von Noten) – aber ohne persönliche Angriffe oder Beleidigtsein.
26/10/2009 at 22:49 Permalink
Noch eine Klarstellung zu @4 was die Konsequenz für “fehlende Motivation” angeht: es geht nicht darum, die fehlende Motivation durch schlechte Noten zu strafen. Ich bin in meiner obigen Formulierung davon ausgegangen, dass ein Schüler aufgrund fehlender Motivation im Unterricht und in den Klassenarbeiten nicht die geforderten Leistungen erbringt – was als Konsequenz entsprechende Noten nach sich zieht.
27/10/2009 at 11:48 Permalink
2) Ich glaub das kommt mit der Zeit auch von selbst. Ich fühle mich z.B. jetzt, da ich eigene Klassen habe schon einiges professioneller. Falle trotzdem oft genug auf die Schnauze
3) Es gibt sicher tausend Rezepte, die alle bei irgendwem funktionieren. Aber wahrscheinlich kein allgemein gültiges. Wichtig ist denk ich auf jeden Fall authentisch zu sein und nicht andere nachzuahmen. Wenn also Kollege xy kommt und sagt er macht das so, muss das nicht heißen es klappt bei dir auch. Da muss man eben rumprobieren. Bei mir funktioniert z.B. ganz gut der mimische Wechsel zwischen freundlich und nicht mehr freundlich. In der Musik nennt man das Dynamik und ist das was die Lieder interessant macht. Auch gut ist, Störungen nicht sofort zu ahnden sondern den Schüler nach Stundenende nach vorne bitten. Dann weiß der nicht was passiert, und du gewinnst Zeit.
4) Irgendwas aus dem Interessenbereich der Schüler funktioniert oft gut. Aber halt nicht bei jedem. Aber damit muss man sich eh abfinden, dass man nie alle erreicht.
28/10/2009 at 00:43 Permalink
@Miriam Schön, dass die Teamarbeit bei euch funktioniert. Ich hatte heute ein erstes “Sondierungsgespräch” mit meinem Fachbereichsleiter in der Schule. Bis jetzt hört sich noch alles gut an. Ich bin sehr zuversichtlich…
28/10/2009 at 00:52 Permalink
@andreas Ja, ich glaube das natürlich auch, dass der Lehrerberuf ein Stoßzeitenberuf ist. In meinem Schulkalender werde ich die Zeiten mal festhalten, die ich für das Referendariat so einplane. Bin gespannt, was dabei so rauskommt.
Hast Du eigentlich mal Erfahrung mit Feedback Methoden gemacht? Ich könnte mir vorstellen, dass wenn man sich immer wieder Feedback von den Schülern geben lässt seinen Unterricht nach und nach besser an den Bedürfnissen der Schüler anpassen kann. – Sollte dann auch die Motivation steigern.
28/10/2009 at 00:58 Permalink
Tja, wenn ich diese Antworten mit denen, die ich schon irgendwo mal gehört habe, bzw. die ich mir selber gebe vergleiche. Könnte man zu dem Schluss kommen, es gibt einfach kein Patentrezept, jede Situation ist individuell und da hilft nur Erfahrungen sammeln…
Ich hoffe das dir das Aufstehen nach dem auf die Schnauze fallen nicht irgendwann zur Last wird. Das ist ja gerade die Kunst, sich immer wieder zu motivieren. Ich werde mal Dein Blog besonders im Auge behalten…
28/10/2009 at 17:58 Permalink
Vielleicht gibt das ja mal interessante Einblicke und Vergleichsmöglichkeiten: TV-Tipp: Lehrerzimmer-Doku ‘Lehrer aus Leidenschaft’ http://j.mp/V4AhZ
28/10/2009 at 20:32 Permalink
@scheppler Den Termin habe ich bereits im Google Kalender, siehe http://www.gedankenimpuls.de/schulkalender/