Manchmal, so scheint es mir, ist es mit Informationen so wie mit Plankton, welches von Walen in riesigen Mengen vertilgt wird. Die Wale sind wir, die Futterstandorte sind Blogs, Websites, Magazine, Podcasts, Fernsehprogramme, Bücher, Zeitungen… Der Krill, oder auch Plankton sind die Informationen ohne die wir “verhungern” würden. Unsere riesigen “Mäuler” sind mit Feedreadern zu vergleichen, die gefüttert werden wollen. Also wird RSS-Feed um RSS-Feed gesammelt, bloß nicht verhungern.
Der Blogartikel, Wie ich Blogs auswähle, die ich abonniere oder ignoriere (Teil 1) von Werner Prüher (Lernen Heute) lässt es erahnen, wie schwierig es ist die besten Futterstandorte zu suchen. Und gestaunt habe ich, er hat 300 Feeds im Feedreader abonniert, da frage ich mich wie er das durchhalten kann? Für mich gäbe es da nur zwei Varianten, einmal den Feedreadereingang ständig zu löschen oder zum Anderen mache ich nichts anderes mehr als Blogartikel zu lesen. Vielleicht lese ich auch nur zu langsam…?
Aber jetzt mal im Ernst, wie kann man heute Informationen nach seinem Bedarf filtern? Ich glaube da sind zwei wesentliche Merkmale, erstens nach Relevanz und zweitens nach Glaubwürdigkeit. Aber mit der Glaubwürdigkeit, ich habe den Begriff, bewusst gewählt, ist das so eine Sache. Das kann jeder, so wie die Relevanz nur selber entscheiden. Ein Beispiel: Vor ein paar Tagen musste ich mich in einer privaten Krankenkasse versichern lassen. Da stellte sich mir eine Aufgabe, die ich einfach nicht objektiv bewerten kann. Man kann Krankenkassen als Laie nicht bewerten, die Vertragspositionen sind zu unterschiedlich, der Eine bietet hier ein bisschen mehr, der Andere da ein bisschen weniger. Dann kommen die klugen Vertreter und erzählen etwas über die Finanzstärke des Unternehmens, ja toll, da können die mir so ziemlich alles erzählen, es sei denn ich arbeite mich richtig ins Thema ein. Und, sorry, da habe ich keine Lust zu.
Zurück zum Informationsplankton. Man benötigt eine gewisse Kompetzen, um mit “unsicheren Wissen” umzugehen. Somit muss ich Christan Spannagel eine sehr hohe Kompetenz im Umgang mit unsicheren Wissen unterstellen. Seine Wissenschaft im neuen Paradigma muss diese Kompetenz voraussetzen. Wie bewertet Christian seine Kommentare nach Glaubwürdigkeit und Relevanz und das in einem wissenschaftlichen Feld, wo Vergleichbarkeit eine nicht unwichtige Rolle spielt.
In welche Richtung bewegen wir uns da? Werden Entscheidungen nur noch nach dem Bauchgefühl entschieden? Zur Zeit geht es mir zumindest so, viele Dinge werden von mir per Intuition entschieden….
Nachtrag 20.10.2009:
Ich mache es ja äußerst ungern, aber dieser Link zum relevanten Wissen Begriff von Jean-Pol passt gut, Martin beschreibt den Begriff des noch aus einer anderen Perspektive.
Nachtrag 22.10.2009:
Jean-Pol hat zum Glück noch einmal nachgefragt, über das “ungern” vom Nachtrag 20.10.2009. Der Satz müsste verständlicherweise eher so beginnen: Nachträge in einen bestehenden Blogartikel schreibe ich äußerst ungern,… Sorry, Jean-Pol, natürlich verweise ich gerne auf externe Artikel und auch auf Deine!
Why do I blog this?: Wenn ich mit offenen Augen durch die Welt laufe, sehe ich viele Menschen die schlichtweg einfach überfordert sind. Unzählige Informationen prasseln auf uns ein. Früher war es sehr zeitaufwendig einen Brief per Schreibmaschine zu schreiben, wer sich vertippt hatte durfte ihn noch einmal schreiben, heute geht die Zeit beim Gestalten des Briefes flöten. Wer heute ein Telefon bedienen möchte muss sich ein mehrere hundert Seiten starkes Bedienungshandbuch durchlesen. Die Prognosen der WHO scheinen auch diese Überforderung zu bestätigen, in Zukunft werden psychische Krankheiten wie Depression, Burnout, … auf dem Vormarsch sein und unsere Rückenprobleme von Platz 1 der Zivilisationskrankheiten ablösen. Da stellt sich mir wirklich die Frage, wie gehe ich ökonomisch mit meinem Dateninput um ohne mich dabei zu verschlucken…?







19/10/2009 at 13:34 Permalink
Eine spannende Frage.
Ich glaube, es könnte wichtig sein, sich mal den Begriff Relevanz genauer unter die Lupe zu nehmen. Was ist damit gemeint? Und wer bestimmt, was von Bedeutung ist?
Für äußerst nützlich halte ich die Leont’evsche Unterscheidung zwischen “gesellschaftlicher Bedeutung” und “persönlichem Sinn”. Denn mit dieser Unterscheidung haben wir die Möglichkeit zu fragen: Was ist denn für mich relevant? Und auch die Frage: Was ist gesellschaftlich von hoher Relevanz? heißt dann genauer: Was wird vom wem dafür gehalten? Ist es denn für alle das Gleiche? Für Fußballexperten mag es hoch relevant sein, die Bundesligaergebnisse und Spielverläuge zu kennen. Die einen konzentrieren sich auf die Abwehr der Internetsperren und beginnen damit eine Parteikarriere. Für mich ist vielleicht etwas ganz anderes “wirklich” relevant.
Es gibt also gar keine allgemeingültige gesellschaftliche Relevanz – nicht für einen bestimmten Gegenstand, aber auch nicht für eine bestimmte Nachricht über diesen gewählten Gegenstand.
Ich selbst bestimme, was für mich relevant ist (persönlichen Sinn macht) im Verhältnis zu dem, was an gesellschaftlichen Bedeutungen/Relevanzen im Angebot ist. Und in diesem Sinne ist der Filter “Bauchgefühl” bestimmt nicht der schlechteste! Denn für permanente Vernunft-Entscheidungen haben wir keine Zeit. Routinen und Intuition sind nötig, um überhaupt handlungsfähig zu sein.
Was Druck macht, ist doch bloß immer die Illusion, man könnte alles wissen, was irgendwie von “Bedeutung” ist, weil man Zugang zu (fast) allem hat und seitdem selbst verantwortlich (selbst verschuldet) “Wissen verpasst”. Da man aber sowieso nicht alles beachten kann, was für einen selbst von Bedeutung sein KÖNNTE, da man gezwungen ist, ständig weit mehr Dinge zu “verpassen”, als man verarbeiten kann, kann man nun wiederum völlig ungeniert “verpassen”. Ich komme mir immer vor wie ein Vogel im Futterhäuschen: ich picke hier – aus Twitter – und da – aus GoogleReader – und freue mich beim Auswählen aus dem Überangebot. Mal wähle ich mit Vernunft, mal mit Intuition, mal nach dem Zufallsprinzip.
Glaubwürdigkeit: Was nicht auf Anhieb durch persönliche Referenz (ein bestimmter Autor) oder sachliches Einleuchten viabel erscheint, irritiert. Dem versuche ich nachzugehen, wenn es mich danach verlangt, weil es die Neugier reizt. Oder ich ignoriere es, weil ich es zu abseitig finde. Auch wenn man sich dessen nicht immer bewusst ist: Man hat schon eigene Filter im Kopf, die aus dem Rahmen dessen bestehen, was man “schon weiß” (d.h. immer “zu wissen meint”), also aus dem, was man schon beurteilt hat.
20/10/2009 at 09:49 Permalink
Eine klasse Analyse der Begriffe! Natürlich freue ich mich über solche Kommentare auf meinem Weblog und das schon beim zweiten Artikel!
Du hast jetzt beide Begriffe, Relevanz und Glaubwürdigkeit, explizit durchleuchtet. Ich glaube man müsste diese Begriffe eher schon zusammenfügen, ähnlich wie es Einstein mit dem Begriff der Raumzeit getan hat. Warum? Weil ich meine diese Begriffe fast nicht voneinander trennen zu können, ohne dabei Gefahr zu laufen nicht mehr entscheiden zu können, ob ein Text für mich wichtig ist oder nicht. Das Eine kann ohne dem Anderen nicht existieren. Ist etwas für mich nicht Glaubwürdig, somit ist es für mich auch nicht relevant (vorerst nicht) und umgekehrt.
Aber ich will noch auf einen anderen Punkt hinaus und zwar, wir verändern unser Verhalten beim Sammeln von Daten. Kannte man früher in den meisten Fällen den Autoren (weil er ggf. eine Koryphäe auf seinem Gebiet ist), so wählt man heute aus einem Überangebot einen Autoren aus. Ebenso ist es mit dem Inhalt des Textes, wenn man ehrlich ist, dann kann man in (fast) allen Fällen sich nur auf seine Intuition verlassen. Aber kann das Grundlage von wissenschaftlichen Arbeiten sein, wie es Christian Spannagel tut? Ok, er schrieb mir das die neue Wissenschaft immer noch die bewährten qualitativen und quantitativen Methoden verwendet und nur die Ideengenerierung über die Vernetzung zustande kommt, also aus dem besagten Überangebot. Aber dennoch muss er entscheiden welche Nachricht relevant und glaubwürdig ist. Besteht da nicht die Gefahr schnell auf einen Holzweg zu gelangen?
Dann noch eine Bemerkung zu Deiner Trennung von Öffentlichkeit und Privatheit. Das ist ja auch so ein Ding, wir leben in einer interdependenten Beziehung mit unserer Umwelt kann ich da wirklich nur nach für mich Relevantem ausschau halten? Ich glaube man geht da doch mehr Kompromisse ein, als man sich zugesteht, ansonsten wäre man ziemlich egoman…
20/10/2009 at 10:26 Permalink
… ah, jetzt wird mir klar, warum ich – sobald ich am Buffet von allem und jedem probiere – immer Bauchschmerzen krieg…
Aber Spass beiseite.
Beim Lesen Deiner Zeilen überkommt mich tiefe Freude, …da Du mir aus dem Herzen sprichst. Anscheinend geht es uns allen so (auch den Kompetentesten in Sachen Medien unter uns), dass genau jene Kompetenz nichts Statisches oder Abgeschlossenes ist, sondern dass wir vielmehr ständig dran Arbeiten müssen.
Dass wir auch ab und zu unsere – auch funktionierenden – Strategien hinterfragen und (zumindest auf Probe und Zeit) einer neuen Überprüfung unterziehen sollten.
Dazu hat mich Dein Beitrag sowie die Kommentare angeregt.
Bei mir sind dies dreierlei:
1. Sollte ich WIRKLICH und immer alle Werbung sofort und ungesehen der Mülltonne opfern?
2. Jetzt ist der Fernseher verschenkt. Vielleicht sollte ich mal wieder beim Nachbarn schauen, was so läuft?
3. Vielleicht mal wieder den Sportteil lesen?
Viel Spass beim Weiterlernen wünscht
eLEx/ mons7
20/10/2009 at 11:14 Permalink
Hallo Monika!
Ja, Hinterfragen ist wichtig, ansonsten schwimme ich nur mit. Ich möchte aber selber entscheiden, was ich wie mache und dazu muss ich mich auch ständig hinterfragen.
Noch ein kleiner Tipp für die Werbung, mach Dir doch einen kleinen Aufkleber auf den Briefkasten: Bitte keine Werbung! Dann brauchst Du dir auch keine Gedanken machen, ob Du sie ungelesen wegwirfst!
Darf ich noch einmal fragen, wie Du über mein Blog gestolpert bist? Täte mich gerade in meiner Integrationsphase interessieren oder habe ich da irgendwelche Verbindungen nicht mehr im Kopf?
20/10/2009 at 11:28 Permalink
… Du wirst von mir verfolgt….
(Twitter macht’s möglich)
20/10/2009 at 11:43 Permalink
@Monika Da haben wir den Salat, DATA OVERFLOW ! So wie ich es im Moment sehe, kann ich Dich zwischen meinen ganzen anderen Followern nicht entdecken. Dann habe ich versucht Dir eine Nachricht über Dein Blog zu schreiben, dazu muss ich mich dort erst anmelden, dass wollte ich nicht. Bitte teile mir doch Deine Twitteradresse zur vollkommenen Vernetzung mit.
21/10/2009 at 20:35 Permalink
Lieber Thorsten,
so, Du warst schneller als ich (mons7)… wenn das mal nicht definitv “medienkompetent” ist!!!!!
Ich bin beeindruckt
mons7/eLEx
21/10/2009 at 20:53 Permalink
@mons7/eLEx vielleicht hatte ich auch nur mehr Zeit.
21/10/2009 at 20:56 Permalink
Hi Thorsten,
zur öffentlichen Wissenschaft: “Mode 2″ der Wissensproduktion ist ein Modus, der den alten Modus (den disziplinären) nicht ablöst, sondern sich hinzugesellt. Wissenschaft findet natürlich nicht nur im vernetzten Austausch mit Information Overflow statt. Der Wissenschaftler holt sich sein Wissen nicht nur aus dem Austausch. Er bleibt immer noch Wissenschaftler mit seinen Methoden, aber er öffnet sich zusätzlich nach außen, gibt Dinge von seiner Arbeit preis, holt sich Anregungen von außen (und gibt ebenso Anregungen nach außen), und führt Projekte in interdisziplinären Teams durch. In der vernetzten Kommunikation wird idealerweise für alle Beteiligten relevanten Wissen konstruiert. Hierdurch werden das Denken und das Handeln des Wissenschaftlers (und auch der anderen Personen) beeinflusst. So, wie du es beschreibst (Der Wissenschaftler zieht Wissen ausschließlich aus der Kommunikation) wäre das natürlich eine Katastrophe.
Ganz wichtig in Umgebungen mit Information Overflow ist: Man darf keine Angst haben, etwas zu verpassen. Ich sehe es genauso wie Lisa: Wenn ich Zeit habe, schau ich nach, was es momentan so Neues gibt. Ich schaue mir nicht die Feeds oder Tweets an, die ich seit dem letzten Nachsehen verpasst habe. Ich “lasse mich im Netz treiben”. Und hierzu ist Bauchgefühl ganz wichtig. Unser Gehirn hat tolle “unbewusste” Methoden der Bewertung, die der rationalen, bewussten Bewertung oft überlegen ist, weil sie viel mehr Information integrieren und der Bewertung zugänglich machen kann. Insofern ist an dieser Stelle am Bauchgefühl nichts schlechtes – im Gegenteil.
21/10/2009 at 21:51 Permalink
@christian Ok, ich merke ich habe Dein Video nicht ganz richtig interpretiert. Nun gab es für mich erst einmal zwei Dinge, weswegen ich diese Schlussfolgerung so provokativ gezogen habe.
, aber ob es die richtige ist? Gilt das Bauchgefühl in der Wissenschaft als Kriterium? Vielleicht als Wegweiser, aber die harten Fakten müssen doch irgendwie anders begründet werden.
1. Deine Überschrift lautet “Wissenschaft im neuen Paradigma”. Ich weiß, nun werde ich ein wenig “tintenpisserig” aber ich verstehe den Begriff Paradigma nach Thomas Kuhn und bedeutet für mich eine gänzlich neue Sicht der Dinge in der Wissenschaft, eben einen Paradigmenwechsel.
2. Bist Du in Deinem Video nicht darauf eingegangen, dass die öffentliche Wissenschaft bei den alten Methoden bleibt. Du hast Das Video für einen bestimmten Zweck gemacht, ich hoffe die Adressaten verstehen es nicht so wie ich. Wäre doch ein ziemliches Zerrbild der öffentlichen Wissenschaft.
Dann habe ich noch eine Frage, für welche Sparte von Wissenschaftlern steht die öffentliche Wissenschaft? Das frage ich mich schon die ganze Zeit. Ich glaube Wissenschaft ist ein hartes Geschäft, man muss Gelder für die Forschung beschaffen und da hört doch bekanntlich die Freundschaft auf! Als Wissenschaftler plaudere ich doch nicht öffentlich über meine aktuellen Ergebnisse, der Konkurrenz wird es freuen. Vielleicht denke ich auch nur zu sehr in die naturwissenschaftlichen-technischen Richtung… Ich hoffe Du weist das ich der öffentlichen Diskussion positiv gegenüberstehe. Ich würde mir die öffentliche Wissenschaft sehr wünschen, gerade im Bereich der Didaktik.
Dann noch eine Bemerkung zum Bauchgefühl, natürlich Bauchgefühl ist eine feine Sachen, sonst hätte ich immer noch keine Krankenkasse
21/10/2009 at 23:22 Permalink
Hi Thorsten,
ok, ich gebe dir Recht – der Begriff “Paradigma” könnte irreführend sein. Dennoch ist das Selbstverständnis des Wissenschaftlers ein anderes – er begreift sich als Teil eines sozialen Netzwerks und greift Informationen von vielen Seiten auf – aber eben nicht nur aus Fachartikeln, sondern auch aus Berichten von Menschen z.B. aus relevanten Praxisbereichen. Darüber hinaus macht er den Prozess der wissenschaftlichen Wissensproduktion öffentlich. Er schätzt den Weblog-Artikel, in dem er sich mit anderen Personen austauschen kann, mehr als den wissenschaftlichen Fachartikel in einem Peer-reviewed Journal. Durch die Öffentlichkeit bietet er Anküpfungspunkte für andere, macht sich aber auch “verletzlich”. Er akzeptiert, dass eine “Laien”frage sein wissenschaftliches Vorhaben in Frage stellen kann. Er unterzieht das, was er tut, der permanenten öffentlichen Prüfung. Es handelt sich insofern schon um eine radikale Änderung bestehender Verhaltensweisen und auch des Selbstverständnisses.
Ich denke auch, dass bestimmte Sparten prädestiniert sind für öffentliche Wissenschaft – beispielsweise die Pädagogik oder die Fachdidaktiken. Dort, wo es um Patente usw. geht, wird es sicher in einigen Fällen heikel. Aber: Jeder Wissenschaftler kann vernünftig entscheiden, welche Informationen er online stellt und welche besser nicht. Öffentliche Wissenschaft bedeutet nicht dämliche Preisgabe von vertrauenswürdigen Informationen. Auch derjenige, der an Patentverdächtigem arbeitet, kann gelesene Fachartikel in seinem Weblog reviewen oder Ideen, die er außerhalb des Patentbereichs hat, öffentlich diskutieren. Kein Wissenschaftler macht permanent nur Geheimzuhaltendes.
“Gilt das Bauchgefühl in der Wissenschaft als Kriterium?” – Wissenschaftler sind Experten auf ihrem Gebiet. Expertise bedeutet u.a., dass man in bestimmten Bereichen automatisiert (d.h. ohne Einbeziehung des Bewusstseins) bewerten kann. Insofern: Ja, Wissenschaftler treffen sicher viele Entscheidungen aus dem Bauchgefühl heraus.
“Vielleicht als Wegweiser, aber die harten Fakten müssen doch irgendwie anders begründet werden.” – Richtig. Ich würde es so sagen: Das Bauchgefühl darf nicht ignoriert werden, sondern es muss beachtet werden. Dann muss man sich aber fragen: Warum ist dies oder jenes wohl die richtige Entscheidung? Welche Gründe sprechen denn rational dafür/dagegen?
Wissenschaftler sind Menschen, und Menschen handeln vielleicht mehr aus Bauchgefühl heraus als aus rationalen Gründen. In der Wissenschaft ist es aber vielleicht notwendiger als in anderen Bereichen, dieses Gefühl auch einer rationalen Prüfung zu unterziehen.
21/10/2009 at 23:28 Permalink
Ach so, noch was: Die Wissenschaft “bleibt” nicht bei den alten Methoden. Sie nutzt ein breiteres Repertoire von Methoden und lässt neben den alten Methoden auch diejenigen der kollaborativen Wissenskonstruktion in vernetzten Strukturen zusätzlich zu. Oder eigentlich noch krasser: Der Wissenschaftler ändert sein Selbstverständnis, und aus dieser neuen Perspektive heraus gibt er den alten Methoden einen bestimmten Platz/Wert in seinem Methodenrepertoire.
22/10/2009 at 09:04 Permalink
Guten Morgen Christian! Endlich erhalte ich mal die Gelegenheit mein Wissenschaftsverständnis zu hinterfragen. Nach dem Motto: Was macht denn eigentlich ein gemeiner Forscher den ganzen lieben langen Tag! Das geht in den einzelnen Fachrichtungen mit Sicherheit gewaltig auseinander. Vielleicht ist es ratsam den öffentlichen Wissenschaftler bestimmten Sparten zuzuschreiben. Beispielsweise eher in den Erziehungswissenschaften, vielleicht auch in der Sozialwissenschaft, als in den Naturwissenschaften. (Hm, wenn ich das so betrachte, dann müsste ich die Physikdidaktik in die Erziehungswissenschaft stecken, das würde das Standortdilemma für die Fachdidaktiken lösen.) Für die Erziehungswissenschaftler, bzw. den Didaktikern wäre es mit Sicherheit eine Bereicherung ihres Geschäftes. Da bleibt nur zu klären, in welchem Umfang er Web 2.0 Strategien für sich einsetzt. Ich denke die meisten Wissenschaftler dieser Sparte sind in ihrer Arbeit so versunken, dass sie nur noch müde mit dem Kopf schütteln, wenn sie hören, das sie zusätzlich auch noch aufwendiges Networking betreiben sollen. Ergo, was würde für den Didaktiker 2.0 (Ich weiß Du magst diese 2.0 Anhängsel nicht.
) wegfallen oder vereinfacht werden?
Zu den Naturwissenschaften. Hier sehe ich eher ein geringeres Potential für den öffentlichen Wissenschaftler, Stichworte sind Patente, Fördergelder, Konkurrenz, Geheimhaltung (z.B. in Konzernen wie Bayer, BASF, Automobilindustrie…) Ja, vielleicht kann der Wissenschaftler dort, wie Du geschrieben hast, seine Fachartikel auf sein Weblog stellen, wäre ja mal ein interessantes Pilotprojekt in der Industrie! Und nun brauche ich dringend ein KÄFFCHEN!
Noch mal eine Frage hinten an: Welchen klassischen Forschungsmethoden bedienst Du dich? Ich sehe Dich nur in der öffentlichen Diskussion!
22/10/2009 at 10:11 Permalink
Ab einer bestimmten Anzahl von “Followern” übernehmen unsere Freunde die Aufgabe der Präselektion und schieben einem Links zu, von denen sie meinen, dass sie für unsere Denken und unsere Arbeit relevant sind. Wie periphäre Sensoren im Nervensystem, die relevante Informationen zum Cortex weiterleiten. Inzwischen verbringe ich sehr viel Zeit damit, solchen Links zu folgen. Als Gegenleistung tun wir dasselbe für sie (nicht dass man glaubt, wir sind der Cortex und sie die Blöden).
22/10/2009 at 10:22 Permalink
Hi Jean-Pol! Ich glaube, das was Du in den Klammern geschrieben hast ist sehr wichtig, denn sobald auch nur ein Anflug von einseitiger Ausbeutung besteht, hat es sich mit dem Netzwerken erübrigt, im Gegensatz zum Nervensystem können Menschen aussteigen. Du hast ja schon in einem Artikel darüber geschrieben wie flüchtig ein Netzwerk ist. Daher muss jeder für sich die Vorstellung haben der Cortex zu sein. Mir gefällt da der Begriff Win-Win etwas besser, als die Neuronenmetapher.
22/10/2009 at 11:12 Permalink
OK. Einverstanden.
22/10/2009 at 22:23 Permalink
@Thorsten Ich würde nicht in Sparten denken wollen. Gerade die Biologen sind großartig in öffentlicher Wissenschaft, z.B. durch das Öffentlichmachen von Datensätzen. Für jede Wissenschaft gibts Möglichkeiten. Und wie bereits gesagt: Kein Wissenschaftler macht immer nur megageheimes. Zumindest kann jeder über seine Lehre bloggen oder wikien.
Zu meinen wissenschaftlichen Methoden: Ich mache Befragungen, führe lernpsychologische Experimente durch (z.B. planen Florian Schimpf und ich gerade eins mit einem Eye-Tracker: http://tinyurl.com/ykuc9qm ) oder verwende den Ansatz der Aktionsforschung. Über solche Methoden habe ich auch mal einen Vortrag gehalten (wens interessiert: http://tinyurl.com/cuc5rj ).